Auf den ersten Blick wirkte der Juli belanglos. Kein Monat mit wirklichen Highlights, keine Ereignisse, die sofort ins Auge stechen. Aber beim genaueren Hinschauen - auch weil ich mir wieder zwischendurch Gedanken notiert habe - wird mir klar: Es war doch etwas los.
Den Gedanke hatte ich ja schon im Mai-Rückblick zum non-performativen Leben: Man darf die eigene Entwicklung nicht immer an Highlights messen, nicht immer an dem, was schnell passiert oder sich irgendwie in Zahlen messen lässt. Manches entwickelt sich einfach organisch - in einem gemächlichen Tempo. Und wenn man genau hinschaut, tut sich trotzdem etwas. Nur eben nicht als Feuerwerk, sondern leise. Und am Ende ist es oft gerade das langsamere Tempo, das trägt. Zumindest gilt das für mich.
Der Juli war so ein Monat des sich langsam Entwickelnden.
Die Qual der Zahl
Ich habe schon länger bewusst nicht mehr auf meine Blogzahlen und Statistiken geschaut. Dieses Jahr wollte ich mir keine Ziele setzen, mich nicht ständig von Zahlen antreiben lassen. Im Juli habe ich trotzdem mal wieder genauer hingeschaut - und muss gestehen: Ich war etwas geschockt. Die Besucherzahlen auf meiner Seelenguide-Website sind ziemlich zurückgegangen. Das war zwar schon länger der Trend in diesem Jahr, aber diesmal ist es wirklich in mein Bewusstsein gesickert und hat mich einen Moment lang wirklich frustriert.
Bei allem Wunsch, sich von außen unabhängig zu machen, machen solche Zahlen schon etwas mit mir - das ist einfach menschlich. Und ich bin sowieso jemand, der sich gerne hinterfragt, der auch mal mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat. Imposter-Syndrom lässt grüßen. Also kamen die Fragen hoch: Lohnt sich das überhaupt? Mache ich was falsch? Sollte ich es anders machen?
Aber die Antwort war am Ende: Nein, ich ändere nichts. Ich schreibe, weil ich über das schreibe, was ich wichtig finde. Es ist mein kreativer Ausdruck, es macht mir Freude. Ich schreibe nicht, um Trends zu folgen oder strategisch gefunden zu werden - aus meiner Sicht beeinflusst das ohnehin die Qualität des Schreibens, wenn man sich als Kreative:r von außen lenken lässt.
Also: keine drastischen Maßnahmen, kein Aktionismus. Ich mache weiter wie bisher und beobachte. Denn im Moment hat, glaube ich, niemand so wirklich eine Ahnung, wie es funktioniert. Ich habe mich lange auf SEO und Suchmaschinen verlassen - von denen fühle ich mich inzwischen eher verlassen. Was jetzt trägt, was vielleicht anders gemacht werden darf - diese Erkenntnis habe ich noch nicht. Und ich brauche sie im Moment auch nicht. Dieses Jahr ist ohnehin nicht das Jahr, in dem ich stark nach außen wirken will - das kommt eher nächstes Jahr. Also geht es erstmal weiter wie gehabt.
Arte-Dokus und die Frage nach dem eigenen Vermächtnis
Ich bin ja bekennender Dokumentationen-Fan - und ein großer Fan von Arte. Im Juli bin ich gleich über drei Dokumentationen gestolpert, die mich sehr beschäftigt haben: eine über Gaudí und den Bau der Sagrada Família, eine über eine Geigenbauerin in Cremona, und eine über das Berengo Glasstudio in Murano.
Gaudí und die Sagrada Familia
Gaudí wusste, dass er die Sagrada Família zu Lebzeiten nicht würde vollenden können - und hat das nicht nur akzeptiert, sondern fast schon so angelegt, dass andere sein Werk fortführen. Er ist unter dramatischen Umständen gestorben, wurde nach seinem Tod zunächst nicht einmal erkannt. Von manchen Bauteilen existieren bis heute nur Skizzen und Fragmente, die spätere Baumeister interpretiert haben. Mich hat das fasziniert: Ein Werk in die Welt zu bringen im vollen Bewusstsein, es selbst nicht fertigstellen zu können. Die Dokumentation Sagrada Familila. Antoni Gaudis Meisterwerk ist aktuell noch in der Arte-Mediathek verfügbar.
Eine Geigenbauerin aus Cremona
Die Geigenbauerin aus Cremona kam über Umwege zu ihrem Handwerk – ursprünglich über das Geigenspiel selbst, bis sie merkte, dass sie darin nie brillieren würde - sondern sich lieber dem Geigenbau selbst widmen möchte. Besonders im Kopf geblieben ist mir, wie sie eigens nach Cremona zieht, um sich an diesem zentralen Ort des Geigenbaus, unter anderem war Antonio Stradivari hier ansässig, diesem Handwerk zu widmen - und dieser Passion trotz aller Herausforderungen nachzugehen. Und, wie sie für ihre Geigen in einen "Geigenwald" im Trentino fährt, um die passenden Bäume auszusuchen. Eine Geige hat eine Lebenszeit von 200 bis 300 Jahren - und dieses Wissen, etwas zu erschaffen, das über das eigene Leben hinausgeht, ist Teil ihrer Vision und Motivation. Sie hat einen eigenen Baustil entwickelt, ähnlich den großen historischen Geigenbaufamilien, deren Formensprache bis heute fortlebt. Auch hier ist Vermächtnis das zentrale Motiv.
Das Berengo Glasstudio in Murano
Beim Berengo Glasstudio in Murano hat mich fasziniert, wie dort eine in den 50er/60er Jahren entstandene Idee (Künstler direkt in den Glasbläser-Prozess einzubinden) durch den Kurator Adriano Berengo wiederbelebt wurde - eine eigene Glasfabrik, die Kunst für und mit Künstlern produziert. Auch hier bleibt ein Vermächtnis zurück: die Stücke selbst, die entstehen und die Geschichte weitertragen.
Mein Vermächtnis
Diese drei Geschichten haben mich dazu gebracht, über mein eigenes Vermächtnis nachzudenken. Und die Antwort liegt für mich auf der Hand: Es ist das Schreiben. Ich berühre sicher auch auf andere Weise Menschen, aber mein Anspruch ist, dass meine Texte über meinen Tod hinaus bestehen. Mir ist dabei noch einmal ganz klar geworden, wie zentral das Schreiben für mich ist - und dass sich vielleicht die Frage lohnt, wie ich es noch stärker in den Mittelpunkt rücken kann.
Was ich im Juli geschrieben habe
Sehr viele neue Blogartikel sind im Juli nicht entstanden. Ich habe über den Mond geschrieben - nach dem Sonnenartikel ein weiterer Schritt durch mein Vorhaben, mich nach und nach durch alle Planeten unseres Sonnensystems zu arbeiten. Mich fasziniert dabei, die materielle, physikalische Sicht mit der symbolischen, spirituellen Bedeutung zu verweben - und zu schauen, welche Rolle die Planeten in Kulturen, in der Kunst, in Sprache und Liedern spielen. Als Nächstes nehme ich mir die Erde vor, die man dabei so leicht vergisst.
→ Der Mond – von Faszination, Zyklen und Mondlandung
Im Denklabor habe ich darüber geschrieben, warum Gaza nicht verschwindet, nur weil es keine Schlagzeilen mehr macht. Das Thema Israel/Palästina beschäftigt mich weiterhin - die Lage vor Ort ist nach wie vor katastrophal, ebenso Israels Vorgehen und Deutschlands Haltung dazu. Gerade weil das Thema so eng mit Deutschland verflochten ist, darf es nicht aus dem Bewusstsein verschwinden.
→ Warum Gaza nicht verschwindet, nur weil es keine Schlagzeilen mehr macht
Und, wenn auch reichlich spät: den Juni-Rückblick habe ich auch endlich geschrieben.
→ Mein Monatsrückblick Juni 2026 – Denken, Schreiben & Salonkalender
Was neue Artikel angeht, war der Juli also eher ein ruhiger Monat. Dafür habe ich meinen Lughnasadh-Artikel überarbeitet - ich gehe ja regelmäßig alle Artikel zu den Festen des keltischen Jahreskreises noch einmal durch, ergänze und optimiere.
→ Lugnasadh: Bedeutung, Rituale und Impulse zum Erntefest
Lughnasadh und die erste Ernte
Neben der Überarbeitung habe ich zu Lughnasadh auch einige neue Pins erstellt. Lughnasadh, das am 1. August gefeiert wird, markiert die erste Ernte im keltischen Jahreskreis - und das hat mich dazu gebracht, mir selbst die Frage zu stellen: Was ernte ich eigentlich in diesem Jahr?
Nicht wirklich viel Spektakuläres, meiner Meinung nach. Was aber eher daran liegt, dass ich generell sehr hohe Erwartungen - und vor allem Erwartungen an mich habe. Deshalb war es mir wichtig, eine kleine Ernteliste zusammenzustellen. Denn: Wenn man nicht die großen Zahlen und Highlights vorweisen kann, vergisst man schnell, was man eigentlich alles geschaffen und geschafft hat.
Hier also meine Ernteliste:
- Energie ist zurück - nach Monaten der Kraftlosigkeit
- Sport wieder intensiviert
- Seelenguide-Website überarbeitet
- AKASHA-Angebot konsolidiert
- Blogartikel-Optimierung so gut wie abgeschlossen
- Viele neue Pinterest-Pins erstellt
- Viel geschrieben - sowohl im Seelenguide-Blog als auch im Denklabor, ohne dass ich die Artikel im Einzelnen gezählt hätte
- Denklabor weitergeführt und überarbeitet
- Podcast aufgeräumt - und begonnen, einzelne Folgen in Blogartikel zu verwandeln
- Newsletter wächst kontinuierlich - inklusive dem wöchentlichen Lichtimpuls, den ich mir vorgenommen hatte und regelmäßig über eine eigene E-Mail-Gruppe verschicke
- Kundinnen betreut
- Meine Deutungslogik und -methodik der AKASHA weiter ausgebaut – darüber schreibe ich demnächst noch gesondert
- Weiterbildung nebenher: Hannah Arendts "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft", weitere Lektüre rund um Selbstfindung, Selbstführung und Coaching-Methodik
- Politisches Denken weitergeführt - Israel/Palästina, aber auch darüber hinaus
- Freizeit nicht vergessen
Was die Liste nicht zeigt: Auch die leidige Steuererklärung ist im Juli endlich fertig geworden - was mich einiges an Schreibzeit gekostet hat, aber natürlich trotzdem sein musste.
Auch Dranbleiben kann ein Erfolg sein
Aus meiner Sicht ist es wichtig, sich all das immer wieder vor Augen zu führen - was man tut, was entsteht. Und man muss dafür gar keine Zahlen bemühen. Man sieht es an den Inhalten selbst, an dem, was man alles getan hat. Ich finde es wichtig, sich von diesem "wie viel Umsatz", "wie viele tausend Kund:innen", "wie viele neue Newsletter-Abonnent:innen" zu lösen. Man darf sich seinen eigenen Maßstab suchen, an dem man Erfolg misst. Vielleicht heißt Erfolg ja einfach: die Dinge zu tun, die einem Freude bereiten, kontinuierlich dranzubleiben und Schritt für Schritt weiterzugehen.
Ich bin gespannt, wie es im August weitergeht.
P.S.: Vielleicht magst aus dem Blogartikel ja auch etwas für Dich mitnehmen: Hast Du Dir eigentlich schon mal Gedanken über Dein eigenes Vermächtnis gemacht? Und wie sähe eigentlich Deine eigene kleine Ernteliste aus - ganz unabhängig von großen Zahlen? Ich freue mich, wenn Du magst, davon zu lesen oder zu hören.
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Alle Bilder sind Privatfotos von Jana Engel. Titelbild-Collage erstellt mit Canva (Pro Lizenz)
