Wenn die Trolle kommen – warum Gegenwind mein Wegweiser ist

von Jana Engel // in Selbst & Selbstführung // 11. September 2025

Aktualisiert: 13. September 2025

Wie trainiere ich meinen Mutmuskel, wenn Hasskommentare landen?
Dieser Artikel dreht sich darum, wie ich mit Hasskommentaren umgehe - und warum sie für mich inzwischen ein Wegweiser sind.

Die Trolle sind offiziell gelandet. Unter meinem Instagram Reel, in dem ich über Gaza spreche. Giftige Kommentare, verachtende Worte. Das Ganze ist übrigens passiert, weil ich unter einem anderen Post zur Global Sumud Flottilla kommentiert hatte. Ich beobachte ja immer, welche Trolle sich so in den Posts herumtreiben und Hetze betreiben. Und, ja, ich konnte mir nicht verkneifen, etwas zu sagen.

Dann sind sie zum Gift verspritzen auf mein Instagram-Account gezogen. Dort habe ich Ihnen bewusst keine Aufmerksamkeit geschenkt. Aber toll fand ich es trotzdem nicht. Und deshalb schreibe ich darüber, weil es mir hilft, meine Position zu klären und Dich vielleicht - hoffentlich - inspiriert.

Ich glaube, eine unserer größten Ängste, wenn wir uns ins Außen wagen, ist - dass uns genau das passiert. Wir sagen unsere Meinung, zeigen uns und ernten Ablehnung, im schlimmsten Fall Hass, Anfeindungen bis hin zu Bedrohungen, Rufmord usw.

Das ist eine legitime Angst, aber, wie das bei Ängsten nun einmal so ist, liegt dahinter die größte Befreiung. Deshalb dreht sich dieser Artikel genau um dieses Thema: Wie gehe ich, wie gehen wir am besten mit Gegenwind um? 

Denn: wir sollten uns von niemandem zum Schweigen bringen lassen.


Was heißt es eigentlich, wenn Du Gegenwind bekommst?

Wenn Du es ganz genau betrachtest, heißt eine Reaktion - vielleicht auch eine unschöne - dass Du in jemandem etwas ausgelöst hast. Es macht etwas mit den anderen, was Du sagst oder tust.

Und geht es letztendlich nicht genau darum - zu polarisieren?

Du wirst - gerade wenn es sich um schwierige und umgekämpfte Themen handelt - nie nur Beifall bekommen. Vor allem, wenn Du eine Meinung vertrittst, die gegen das offizielle Narrativ geht oder eine Minderheiten-Meinung ist.

Aber: Willst Du das denn überhaupt? Heißt eine heftige Gegenreaktion nicht eigentlich, dass Du einen wunden Punkt triffst, etwas in Frage stellst, ein Störfaktor im Feld bist - im positiven Sinne?

Ich habe vor einiger Zeit schon für mich deklariert:
"Wenn ich Gegenwind bekomme, weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“

Wenn das dann wirklich passiert, ist der Umgang damit im ersten Moment trotzdem nicht so einfach. Es ist ja eine neue Erfahrung. Also lass uns mal darüber sprechen, wie wir uns in solchen Situationen helfen können. 

Wie mit Hasskommentaren umgehen - meine Haltung

Ich schreibe hier mal darüber, was ich aus meiner Sicht hilfreich empfinde - es ist natürlich wichtig, dass Du Deinen eigenen Weg findest. Vielleicht sieht der etwas anders aus. Aber ich möchte Dich einfach zum Nachdenken anregen.

Was ich besonders wichtig empfinde - wann und wieso Du auch immer attackiert wirst verbal:
Nimm es nicht persönlich.

Es kann sein, dass jemand persönlich wird, wenn ihm oder ihr Deine Meinung nicht passt. Aber lass das an Dir abprallen. Es ist letztendlich ein Angriff und auch eine Masche, Dich zum Schweigen zu bringen.

Jedoch geht es hierbei nicht um Dich selbst - wer Du bist, was Dich ausmacht. Die andere Person kennt Dich ja nicht. Sie wird aber gegebenenfalls versuchen, einen Punkt zu finden, wo sie Dich angreifen kann. Wenn Du merkst, dass Dich das berührt - löse das für Dich und schau, wo Du da vielleicht ein Thema hast.

Erklären oder verteidigen musst Du Dich nicht. Du musst Dich vor niemandem rechtfertigen - dafür, wer Du bist und wofür Du stehst.

Reagieren oder stehen lassen

Die Frage, ob Du auf etwas antwortest oder nicht, kann an verschiedenen Stellen auftauchen: ob jetzt in den sozialen Medien, wenn Du Antworten bekommst oder bei Kommentaren zu Blog, Podcast oder wo Du Dich so in der Öffentlichkeit bewegst.

Ich rede hier - wie generell in diesem Blogartikel - eher vom geschriebenen Wort.

Es kann tagesform- oder themenabhängig sein,  ob Du reagierst. Manchmal kann die Kraft auch genau darin bestehen, dass Du etwas stehen lässt (auch wenn es vielleicht schwer fällt).

Frag Dich:

  • Provoziert mich jemand nur? 
  • Habe ich die Energie dafür?
  • Wäre meine Antwort wichtig für andere?
  • Und vor allem: Bin ich gerade im richtigen Raum, um meine Stimme einzusetzen?

💭 Argumente vs. Provokation

„Wenn jemand Dich persönlich angreift, zeigt er damit nur, dass er keine Argumente (mehr) hat.“

„Dagegen sein ist kein Argument.“
👉 Diesen Satz kannst Du auch als Spiegel zurückgeben, wenn jemand nur dagegen ist, ohne Substanz.

Frag Dich:

  • Hat die andere Seite wirklich Argumente?
  • Lohnt es sich, Energie zu investieren?
  • Oder setzt Du Deine Stimme bewusst ein - um Fakten klarzustellen, Narrative zu entlarven und stille Mitleser:innen zu stärken?

Nicht jeder Troll verdient eine Antwort.
Aber manchmal sprichst Du nicht für Dich - sondern für all die anderen, die zuhören.

Kommentare weg moderieren oder aushalten?

Wenn es um unsere eigene Plattform geht - Social Media Account, Blog etc. - stellt sich natürlich die Frage, ob wir Kommentare weg moderieren sprich verbergen oder löschen sollten.

Ich habe für mich entschieden, Hasskommentare grundsätzlich stehen zu lassen - auch wenn sie hasserfüllt sind oder unter die Gürtellinie gehen. Sie sprechen für sich - und ich will ihnen auch nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken - das wäre es nämlich, wenn ich sie löschen würde. Ich will einfach als Zeichen setzen, dass sie mir nicht wichtig genug sind, um darauf zu reagieren - in welcher Form auch immer.

Das ist aber Geschmackssache. Deshalb macht es generell Sinn, dass Du Dir einen kleinen Fahrplan machst.

Mach Dir einen Fahrplan für den Umgang mit Hasskommentaren

Es lohnt sich, einen Fahrplan zu haben: Wie gehe ich mit Hasskommentaren um, wann reagiere ich, wann nicht?

Überlege Dir, wie Du generell gern unterwegs sein möchtest: also kommentierst Du zum Beispiel überhaupt bei anderen in den sozialen Medien.

Wie viele Erklärungen oder Antworten gibst Du gegebenenfalls, wenn jemand diskutieren will?

Lässt Du Angriffe einfach stehen - oder reagierst Du im Zweifelsfall? Wann ist Dir das wichtig?

Löschst oder verbirgst Du Kommentare? Wenn ja welche? Wann würdest Du sie stehen lassen - oder lässt Du sie generell stehen? Warum?

Es lohnt sich, wenn Du Dir darüber Gedanken machst, weil Du Dir damit eine Route festlegst - und der Umgang leichter wird.

Meine drei Mantren im Gegenwind

Um mich in Bezug auf Trolle bzw. Hasskommentare zu stärken, habe ich mir drei Mantren überlegt:

Wenn ich Gegenwind bekomme, bin ich auf dem richtigen Weg.

Gegenwind zeigt mir, dass ich wirke - und Reaktionen hervorrufe.

Mit jeder Attacke schärfe ich mein Schwert.

Jede Gegenreaktion - egal wie krass - gibt mir die Möglichkeit zu lernen, meine Argument zu verfeinern und liefert Stoff für meine Schriften.

Jede Attacke motiviert mich, lauter zu sprechen.

Wenn die Winde rauher werden, stelle ich mich in den Sturm und schreie.

Illustration von drei grünen Trollen zu den Mantren „Wenn ich Gegenwind bekomme, bin ich auf dem richtigen Weg. Mit jeder Attacke schärfe ich mein Schwert. Jede Attacke motiviert mich, lauter zu sprechen.

Drei Mantren für mehr Stärke im Umgang mit Hasskommentaren.

👉 Nimm dir 5 Minuten, schreib drei Sätze auf, die Dich im Sturm tragen. Halte sie sichtbar - auf einem Zettel, Post-it oder im Handy. Deine persönlichen Mutformeln.

Und falls Du Dich fragst, woher ich diese Klarheit nehme - sie wurzelt in meiner Geschichte.

Warum ich heute unangreifbar bin

Was man in diesem Zusammenhang verstehen muss: Ich bin schon früher durch den Sturm gegangen.
Ich wurde in der Schule gemobbt. Später noch einmal denunziert. Es gab immer wieder Menschen, die versuchten, mich klein zu machen, zu diskreditieren, mir den Platz zu nehmen.

Aber weißt Du was? Genau dadurch habe ich gelernt: Ich bin unzerstörbar. Ich bin nicht zu stoppen.
Ich habe diese Dynamiken transzendiert.

Heute gehe ich in keine Opferdynamik mehr. Ich weiß, wie sich Machtspiele anfühlen - und ich spiele nicht mehr mit.
Ich habe meine Krallen, wenn es nötig ist. Oft innerlich, manchmal auch sichtbar.

Das Resultat: Ich bin unangreifbar.
An alle, die es dennoch versuchen: Ihr beißt euch die Zähne an mir aus.
Und: Danke übrigens für's Pushen meines Contents.

Der Ausblick - Dein Mutmuskel

Mut ist kein Geschenk - Mut ist ein Muskel. Und wir müssen ihn trainieren.
Wenn Du je Angst hattest, Deine Stimme zu erheben - stell Dich in den Wind.
Die Befreiung liegt hinter der Angst, durch die Angst hindurch.

Steh aufrecht. Steh im Wind. Halte Stand.

Minimalistische Illustration eines Baumes im Wind mit dem Text „Steh aufrecht. Steh im Wind. Halte Stand.“

Denn die Winde der kommenden Jahre werden rauer wehen.
Und genau deshalb wird Deine Stimme im Chor gebraucht.

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Diese Texte gehören zum gleichen Themenbogen rund um Stimme, Haltung und Mut:

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Bildquelle: Eigene Illustrationen, erstellt mit Unterstützung von ChatGPT und optimiert in Canva (Pro Lizenz).

Über den Autor

Jana - Jahrgang 1973, gebürtige Thüringerin, nicht verheiratet, keine Kinder, Einhorn.

Wo Jana ist, findet Veränderung statt! Als Veränderungsbegleiterin, Perspektivengeberin und Spiegel unterstützt sie mit Begeisterung Menschen, ihr wahres Ich zu ergründen und zu leben.

Dabei kombiniert sie als zertifizierter Life und Business Coach, ausgebildetes AKASHA Medium und Ahnenheilerin unterschiedliche auch spirituelle Ansätze für ein holistisches Vorgehen im Sinne ihrer KlientInnen.

Was sie besonders auszeichnet, ist ihre individuelle Herangehensweise im tiefen Verständnis, dass alle Menschen einzigartig sind. Genau die Menschen, die sich immer anders fühlen, so wie sie selbst, begleitet sie mit Vorliebe zu sich und in ihre Größe. Jana's Business ist Einhorn-Business.

  • Liebe Jana,
    vielen Dank für diesen Artikel. Er macht Mut und das tut gut. Es hat mich berührt, ihn zu lesen und auch von deiner Vorgeschichte zu erfahren.
    Ich blogge selbst und habe mich auch mit dem Thema Hasskommentare ausführlich beschäftigt und einen Artikel dazu geschrieben. Ohne die Erfahrung von Hasskommentaren bisher im größeren Stil machen zu müssen. Zum Glück, möchte ich da direkt sagen.
    Und ich denke, dass sich viele Menschen genau aus diesem Grund mit ihrer Stimme nicht nach draußen trauen, aus Angst vor den Reaktionen der anderen. Ein so klares Statement zu diesem Thema, so meine Hoffnung, hilft dabei, das aufzubrechen. Trainieren wir gemeinsam unsere Mut-Muskeln!
    Danke 🙏
    Herzliche Grüße
    Dorothee

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